100-Fall-Statistik
Die 100-Fall-Statistik zeigt die Häufigkeit jeder BEMA-Position pro 100 Fälle in der Praxis. Sie ist das zentrale Instrument für die Wirtschaftlichkeitsprüfung der KZV / Krankenkassen: Auffallend hohe oder niedrige Werte gegenüber der KZV-Durchschnitts-Statistik können auf Abrechnungsauffälligkeiten hinweisen — und genau hier setzt diese Ansicht an, damit die Praxis ihre Werte vor einer Prüfung intern kontrollieren kann.

Beta
Die 100-Fall-Statistik befindet sich noch in der Entwicklung. Sie gibt schon eine gute Idee, wie es mal werden wird — die Ergebnisse sind jedoch noch ohne Gewähr. Feedback ist willkommen.
Aufbau
Drei Bereiche von oben nach unten:
- Filterzeile — Auswertungs-Zeitraum, Kassenart und Zeilenfilter.
- Bereichs-Tabs — KCH · IP · PAR · ZE · KBR · KFO — jede Position-Klasse separat.
- Tabelle — pro Tab eine Liste aller im Zeitraum abgerechneten BEMA-Positionen mit Häufigkeit pro 100 Fälle.
Filterzeile
Datumsbereich — frei wählbarer Zeitraum. Klick auf das Kalender-Symbol öffnet einen Date-Picker. Typische Anwendung: Auswertung pro Quartal vor der Quartalsabrechnung.
Beim Öffnen steht der Zeitraum auf dem jüngsten Quartal, für das eine KCH-Abrechnung vorliegt — nicht stur auf dem letzten Kalenderquartal. Der Unterschied zählt, weil die Statistik am KZV-Abrechnungsdatum hängt: solange die Abrechnung eines Quartals nicht gelaufen ist, steht dort schlicht nichts, und der KCH-Tab wäre leer. Liegt das gewählte Quartal deshalb vor dem letzten Kalenderquartal, steht neben dem Datumsfeld der Hinweis „jüngstes Quartal mit KZV-Abrechnung". Praxen, deren Software kein Abrechnungsdatum liefert, bekommen weiterhin das letzte Kalenderquartal.
Kassenart — GKV gesamt · Primärkassen · Ersatzkassen. Die Auswahl filtert die eigenen Leistungen und schaltet die Vergleichsspalte auf die passende Jahrbuch-Spalte um. Das ist wichtig, weil die beiden Kassenarten sich bei manchen Positionen deutlich unterscheiden — bei 13e etwa 1,18 (Primärkassen) gegen 0,74 (Ersatzkassen).
Primärkassen + Ersatzkassen ≠ GKV gesamt
Zu den Primärkassen zählen AOK, BKK, IKK, Knappschaft und SVLFG, zu den Ersatzkassen der vdek (Barmer, DAK, TK, KKH, HEK, hkk). Kassen, die sich keiner der beiden Seiten zuordnen lassen, erscheinen nur in GKV gesamt. Die beiden gefilterten Summen ergeben deshalb nicht zwingend die Gesamtsumme.
Zeilenfilter — drei zuschaltbare Filter, die sich kombinieren lassen:
- Abweichung über 60 % — nur Zeilen, die betragsmäßig mehr als 60 % vom Bundeswert abweichen, nach oben oder unten.
- nur negative — nur Zeilen unter dem Bundeswert. Der schnelle Blick auf möglichen Nachtragungs-Bedarf.
- nur mit Bundeswert — versteckt alle Positionen, für die die KZBV keinen Vergleichswert ausweist.
Bereichs-Tabs
Ein Tab pro BEMA-Teil, mit Counter (Anzahl Fälle im Zeitraum). Bereiche ohne abgerechnete Leistungen bekommen keinen Tab — in einer Praxis ohne Kieferorthopädie fehlt der KFO-Tab also.
- KCH — Konservierend-Chirurgische Leistungen (BEMA Teil 1 ohne IP/FU).
- IP — Individualprophylaxe- und Früherkennungs-Leistungen.
- PAR — Parodontologie-Leistungen (Teil 4, inklusive 4, 108 und 111).
- ZE — Zahnersatz (Teil 5).
- KBR — Kieferbruch, Kiefergelenkserkrankungen und Unterkieferprotrusionsschienen (Teil 3, K-Positionen, 2, 7b, UP…).
- KFO — Kieferorthopädie (Teil 2, Positionen 116–131 sowie 01k, 5, 7a).
Der Fall-Begriff: ein Patient, für den im Quartal mindestens eine Leistung des Bereichs abgerechnet wurde, zählt als ein Fall dieses Bereichs. Ein Patient kann also im selben Quartal ein KCH-Fall und ein PAR-Fall sein. Ein Kassenwechsel mitten im Quartal erzeugt keinen zweiten Fall.
Tabelle
Sechs Spalten:
| Spalte | Inhalt |
|---|---|
| BEMA-Position | BEMA-Ziffer (z. B. 01, 107, ä1, 12, 13b, ä925a, ä935d). |
| Kürzel | Kurzbezeichnung aus dem KZBV-Jahrbuch — 107 ist Zst, 13a ist F1, ä925a ist Rö 2. Wo das Jahrbuch keine ausweist, steht das Kürzel aus der eigenen Praxissoftware. |
| Anzahl | Absolute Anzahl Erbringungen im Zeitraum (z. B. 5.368 mal eine 01 abgerechnet). Gezählt wird die Leistungsanzahl, nicht die Zahl der Einträge — eine Position mit Anzahl 3 zählt dreifach. |
| Frequenz / 100 Fälle | Häufigkeit pro 100 Fälle des Bereichs. Anzahl × 100 / Fälle (z. B. 68,8 bei 5.368 × 100 / 7807). |
| KZBV Bund 2024 | Der bundesweite Vergleichswert derselben Position für die gewählte Kassenart — siehe Referenzwerte. — bedeutet: kein Wert hinterlegt. |
| Abweichung | Wie weit der Praxiswert vom Bundeswert abweicht, in Prozent. +52 % heißt: die Praxis rechnet die Position gut anderthalbmal so oft ab wie der Bundesschnitt. |
| Abweichung (Anzahl) | Dieselbe Abweichung in Leistungen statt in Prozent, hochgerechnet auf die eigene Fallzahl: (Frequenz − Bundeswert) × Fälle / 100. −246 heißt: 246 Leistungen weniger als der Bundesschnitt bei dieser Fallzahl. |
Sortiert standardmäßig nach Anzahl absteigend. Ein Klick auf den Spalten-Header sortiert um.
Die Abweichung ist farblich abgestuft:
| Farbe | Abweichung | Lesart |
|---|---|---|
| rot | über +50 % | Die Schwelle, ab der die KZV erfahrungsgemäß zur Wirtschaftlichkeitsprüfung lädt. |
| orange | +25 … +50 % | Erhöht — erklärbar, aber einen Blick wert. |
| schwarz | −25 … +25 % | Unauffällig. |
| blau | unter −50 % | Auffällig niedrig — oft ein Hinweis auf Erfassungslücken statt auf Sparsamkeit. |
Steht bei einer Position kein Bundeswert (— in beiden Spalten), führt die KZBV sie nicht in ihrer Einzelleistungsstatistik. Das betrifft vor allem den Zahnersatz (siehe unten) und Positionen, die zu selten abgerechnet werden, um ausgewiesen zu werden.
Referenzwerte
Die Vergleichswerte stammen aus dem KZBV-Jahrbuch, Kapitel „Einzelleistungsstatistik" — der jährlich veröffentlichten Auswertung aller über die KZVen mit der GKV abgerechneten BEMA-Positionen. Aktuell hinterlegt ist das Berichtsjahr 2024 (Jahrbuch 2025) mit allen drei Häufigkeitsspalten — „GKV" gesamt, „Primärkassen" und „Ersatzkassen"; welche gilt, bestimmt die Kassenart in der Filterzeile.
Bundeswert, nicht KZV-Wert
Das ist ein bundesweiter Durchschnitt. Maßgeblich für eine Wirtschaftlichkeitsprüfung ist die Statistik der eigenen KZV, und die weicht regional teils deutlich ab. Der Bundeswert taugt als Vorfilter und Größenordnung — er ersetzt die KZV-Statistik nicht.
Wenn die Bezugsgröße abweicht ⚠
Vor manchen Referenzwerten steht ein Warndreieck. Es bedeutet: die KZBV misst diese Position gegen einen anderen Nenner, als die 100-Fall-Statistik ihn in diesem Tab verwendet. Der Mauszeiger über dem Wert nennt den jeweiligen Nenner. Betroffen ist nur noch ein Tab:
- IP-Tab — komplett betroffen. Die KZBV zählt IP- und FU-Leistungen je 100 konservierend-chirurgische Fälle, rose zählt je 100 IP-Fälle. Weil der rose-Nenner viel kleiner ist, liegen die Praxiswerte systematisch weit über dem Bundeswert. Die Abweichung ist hier kein Auffälligkeits-Signal; nur der Vergleich der Positionen untereinander ist aussagekräftig.
In allen anderen Tabs stimmt der Nenner inzwischen mit dem der KZBV überein. Früher lagen dort einzelne Positionen im falschen Bereich — 108 und 111 (PAR), K7, K8, 2, 7b und die UP…-Reihe (KBR), die KFO- und die restlichen ZE-Positionen standen alle im KCH-Tab und trugen ein Warndreieck. Sie sind jetzt dort einsortiert, wo sie hingehören. Der Nebeneffekt: die KCH-Fallzahl ist kleiner geworden — ein Patient, der im Quartal nur eine KFO- oder ZE-Leistung hatte, ist kein KCH-Fall mehr. Alle KCH-Frequenzen liegen dadurch etwas höher als vorher.
Mehrkosten-Füllungen werden mitgezählt
Bei einer Mehrkostenvereinbarung legt die Praxissoftware neben der GOZ-Leistung eine fiktive BEMA-Leistung an — 13a0, 13b0 und so weiter. Gegenüber der KZV ist das eine gewöhnliche 13a, und das Jahrbuch kennt diese Codes nicht. Sie sind deshalb mit ihrer Grundposition zusammengezählt: die Zeile 13a enthält die 13a- und die 13a0-Leistungen.
13e bis 13h (Kompositfüllung in Adhäsivtechnik) bleiben eigene Zeilen — die KZBV weist sie ebenfalls getrennt aus.
Praxiseigene Kürzel, die keiner BEMA-Ziffer entsprechen (etwa af1 für eine Aufbaufüllung), erscheinen als eigene Zeile ohne Bundeswert. rose kann nicht erraten, als welche BEMA-Position sie abgerechnet werden.
Zahnersatz ohne Vergleichswert
Für die ZE-Positionen gibt es keinen Bundeswert. Seit der Einführung des Festzuschusssystems 2005 führt die KZBV für die Prothetik keine Einzelleistungsstatistik mehr — sie weist dort nur noch Befund-Positionen (1.1, 1.3, 6.8 …) aus, die sich nicht auf BEMA-Ziffern abbilden lassen. Der ZE-Tab sagt das an Stelle der Quellenangabe auch selbst.
Typische BEMA-Positionen im KCH-Tab
- 01 — Eingehende Untersuchung
- 04 — PSI-Befund
- 107 — Mundhygienestatus
- ä1 — Beratung (Ersatzposition)
- ä925a / ä935d — diverse Ersatz-Positionen
- 8 / 10 / 12 — Füllungen je Flächenzahl
- 13a / 13b / 13c / 13d — mehrflächige Komposit-Füllungen
- 40 / 41a — Anästhesie und Anästhesie-Zuschlag
- 49 — Trepanation
- 38 — Vitalitätsprüfung
- 23 / 24c — Endo-Positionen
- 32–35, 38, 43–45 — chirurgische Leistungen (Wurzelfüllungen, Extraktionen)
Wofür ist die 100-Fall-Statistik gut?
Die KZV erstellt für jeden Bereich (KCH, IP, PAR, ZE, KBR, KFO) eine regionale Durchschnitts-Statistik, an der gemessen wird, wie oft eine bestimmte BEMA-Position typischerweise pro 100 Fälle abgerechnet wird. Liegt eine Praxis deutlich über dem regionalen Durchschnitt einer Position (oft +50 % oder mehr), wird sie häufig zur Wirtschaftlichkeitsprüfung geladen.
Die Spalten KZBV Bund 2024 und Abweichung nehmen diesen Abgleich vorweg — mit dem Bundeswert statt dem KZV-Wert, aber in der richtigen Größenordnung.
Mit dieser Ansicht lässt sich vor der Quartalsabrechnung prüfen:
- Welche Positionen liegen außergewöhnlich hoch?
- Sind diese durch das Patienten-Klientel begründbar (z. B. viele PA-Patienten → höherer PSI-Anteil)?
- Sind Positionen versehentlich zu oft abgerechnet (Erfassungs-Fehler in der Abrechnung)?
- Welche Positionen sind auffällig niedrig (z. B. zu wenig Ä1, zu wenig 04 → möglicher Nachtragungs-Bedarf)?
Anwendungsfälle
- Vor-Quartals-Check — eine Woche vor der KZV-Abrechnung die 100-Fall-Statistik prüfen.
- Auffällige Positionen vorsortieren — Abweichung über 60 % einschalten; was übrig bleibt, ist die Arbeitsliste. Alternativ nach der Spalte Abweichung absteigend sortieren und die rot markierten Zeilen zuerst ansehen.
- Nachtragungs-Bedarf finden — nur negative einschalten und nach Abweichung (Anzahl) aufsteigend sortieren. Ganz oben stehen die Positionen, bei denen die meisten Leistungen fehlen.
- Ersatzkassen separat prüfen — bei Ersatzkassen gibt es Budget-Unterschreitungen häufiger; die Kassenart Ersatzkassen vergleicht dann auch gegen die richtige Jahrbuch-Spalte.
- Vergleich mit KZV-Durchschnitt — die rot oder orange markierten Positionen anschließend gegen die KZV-Statistik des eigenen Bundeslandes halten (extern bezogen). Der Bundeswert engt die Liste ein, entscheidet aber nicht.
- Auffälligkeiten erklären — bei hohen Werten: passt das zum Patienten-Mix? Wenn ja, vorbereitete Erklärung für die KZV.
- Behandlungs-Standards überprüfen — niedrige Werte bei Standard-Positionen (z. B. 04 PSI unter 50 % der KCH-Fälle) deuten auf Erfassungs-Lücken hin.
- Pro Behandler — externe Excel-Aufbereitung pro Behandler, um individuelle Abrechnungs-Muster zu erkennen.
Hinweise
- Die Statistik bezieht sich auf abgerechnete Fälle der ausgewählten Periode — Leistungen, die noch nicht abgerechnet sind, fließen nicht ein.
- Der hinterlegte Vergleichswert ist ein Bundeswert aus dem KZBV-Jahrbuch (Berichtsjahr 2024), kein KZV-Landeswert. Für die eigentliche Prüfung bleibt die Quartals-Auswertung der eigenen KZV maßgeblich.
- Der Bundeswert wird jährlich mit dem neuen Jahrbuch nachgezogen. Bis dahin bleibt der zuletzt veröffentlichte Stand stehen — die Spaltenüberschrift nennt das Berichtsjahr.
- Für Zeiträume vor 2024 wird kein Vergleichswert angezeigt.
- Die Spalte Anzahl summiert die Leistungsanzahl (
anzahl), nicht die Zahl der Einträge in der Karteikarte. - Da die Ansicht Beta ist, können Definitionen, Formeln oder die Tab-Struktur sich noch ändern.
Verwandte Ansichten
- Abrechnung — Abrechnungs-Vorschläge (Detail-Ebene zur Position)
- HVM — Honorarverteilungsmaßstab (Budget-Sicht)
- Benchmark — strategische Praxis-Kennzahlen über Zeit
- Potentialanalyse — quantifizierte Verbesserungs-Potenziale
